Es ist wieder so weit: Ich laufe durch die Läden, möchte seelenruhig meine letzten Wochenendeinkäufe erledigen, werfe hier eine Packung Chips und da eine Tüte Gummibärchen in den Korb und plötzlich werde ich mit etwas konfrontiert, worauf ich nicht vorbereitet war: Vor mir stapeln sich auf einmal rote und goldene Verpackungen aufeinander und versperren mir den Weg. Kekse, Pralinen, Kuchen und andere Leckereien, in Form von Sternen, Tannenbäumen, Christbaumkugeln und weiteren Formen, die ich nicht ganz deuten kann, reißen mich aus meinem gemütlichen Einkauf und lassen die Alarmglocken in meinem Kopf läuten. Das war’s mit dem entspannten Wochenende. Denn diese Süßigkeiten, die sich da so vor mir präsentieren, sind nicht bloß einfach Süßigkeiten, nein. Allein der Anblick dieser tritt eine ganze Kette von Denkprozessen in meinem Kopf los, und beginnend mit dem Satz „Bald ist Weihnachten“, der sich vor meinem inneren Auge erkenntlich zeigt, geht der Stress auch schon los. Über die Fragen hinweg, mit welchem Teil der zerstrittenen Familie, an welchem der Festtage wo gefeiert wird, wie das nur alles wieder organisiert werden soll, wie man die ganzen verschiedenen Ernährungsweisen der Gäste unter einen Hut bekommt und dabei nun auch noch Plastik meidet, lande ich bei der Frage, die mir wohl am meisten zu schaffen macht: Wem schenke ich was? Also heißt es nun: nichts wie nach Haus, die Einkäufe auspacken und das Wochenende damit verbringen, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wie ich meinen Freunden und Angehörigen eine Freude bereiten kann – und es dabei bestenfalls auch noch zu schaffe, keine Privatinsolvenz anmelden zu müssen. Doch während ich nun völlig gestresst nach Hause laufe frage ich mich: Muss das denn jedes Jahr wieder so sein? Ich sollte doch langsam wissen, dass das Weihnachtsfest immer ganz, ganz plötzlich vor der Tür steht. Muss ich denn wirklich jedes Jahr aufs Neue durch die sich mir in den Weg werfenden Süßigkeiten im Supermarkt aus den Wolken gerissen werden und nun bis zum 24. Dezember an nichts anderes mehr denken können? Und so sage ich mir im Stillen: Nein, diesmal nicht. Dieses Jahr werden alte Gewohnheiten aufgebrochen und das Ganze wird mir ganz entspannt von der Hand gehen. Naja, mal sehen. Das Ziel habe ich mir auf jeden Fall gesetzt, jetzt muss nur noch ein guter Plan her, um dieses zu erreichen.

Also anstatt nun völlig wirr und planlos, mit den Gedanken von einer zu beschenkenden Person zur nächsten zu switchen, zwischendrin immer wieder daran zu denken, wie ich das finanzieren soll und dann, wenn mir endlich was Tolles eingefallen ist, wieder vergessen zu haben, für wen das nun war, soll es dieses Jahr anders laufen:

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, einen kleinen Leitfaden zu entwickeln, welcher sowohl kleine Reminder als auch hilfreiche Tipps enthält, die nicht nur mir, sondern auch euch bei der jährlichen Suche nach dem passenden Geschenk helfen sollen. Mithilfe dieses kleinen Guides soll es beim nächsten geplanten Wochenende auf der Couch auch genau bei diesem Wochenende auf der Couch bleiben, und keine bunte Verpackung und kein Keks in Form eines Sterns der Welt mehr die Chance erhalten, uns in den Wahnsinn zu treiben.

 

Das kleine Handbuch zum Finden des passenden Geschenkes

Zunächst einmal wären da grundlegende Regeln, die es zu beachten gilt, um nicht enttäuscht von sich selbst oder dem gewählten Geschenk zu sein:

Erstelle eine Liste, auf welcher du kontinuierlich Ideen einträgst

Es ist Hochsommer, du schlenderst gemütlich mit einem Eis durch die Stadt und zack, da huscht dir ein Geistesblitz durch den Kopf. „Oma würde es bestimmt wunderschön finden, wenn ich ihr zu Weihnachten ein gemeinsames Essen mit mir und meiner kleinen Schwester und einen anschließenden Kinobesuch schenken würde“, denn Omas lieben es ja bekanntlich, Zeit, die man so selten findet, mit ihren Enkeln zu verbringen. Und bevor dieser  eine Gedanke wieder im endlosen Berg von Gedanken untergeht: Schreib ihn auf! Egal ob digital oder analog. Zück schnell dein Handy oder den Notizblock und schreib einen kurzen Stichpunkt auf deine ab sofort stetig existierende Weihnachtsgeschenke-Erinnerungsliste. So hast du, wenn es dann wieder soweit ist, eventuell schon ein paar schöne Ideen, die bereits stehen und es dir ermöglichen, dich mehr auf die noch fehlenden Geschenke zu konzentrieren.

Leg dir eine preisliche Grenze für jedes Geschenk

So viel zum Thema Privatinsolvenz: Sich selbst eine Grenze, was den jeweiligen Betrag für das Geschenk angeht, festzulegen, kann durchaus dabei helfen dies zu vermeiden, auch wenn man für manche Personen so gern das Dreifache ausgeben würde. Natürlich kann ich meinen Eltern beispielsweise nicht ein Geschenk machen, welches in derselben Preisklasse liegt, wie das, was sie mir schenken. Das trifft natürlich nicht auf jeden zu, aber wichtig ist, dass man sich deswegen nicht den Kopf zerbricht. Niemand erwartet ein Geschenk, was man sich eigentlich nicht leisten kann, denn wenn man schließlich aufgrund der erhöhten Ausgaben für Geschenke doch privatinsolvent sein sollte, müssen einem vermutlich die beschenkten Freunde und Angehörigen aus dem Schlamassel helfen, und damit wäre ja am Ende niemandem geholfen. Bestimmt hätte man da die ein oder andere Idee, bei der man sich absolut sicher ist, dass sie der zu beschenkenden Person gefällt, diese jedoch absolut den eigenen Preisrahmen übersteigt. Aber Hey, schreib sie dir einfach auf die Erinnerungsliste, vielleicht kannst du dir das Geschenk ja in ein paar Jahren leisten und für dieses Jahr wird schon noch etwas anderes, passenderes gefunden.

Bleib dir treu

Ebenfalls wichtig ist es, seine eigenen Geschenke nicht mit denen seiner Mitmenschen zu vergleichen und sich selbst und seiner Art zu schenken treu zu bleiben. Jeder hat andere Stärken, auch beim Schenken. Da gibt es zum Beispiel die eine Freundin, die super gut kochen und backen kann und einfach jedem Einzelnen einen ganz persönlichen Gaumenschmaus zubereitet. Dann wäre da noch die geliebte Oma, die der ganzen Familie wunderschöne Socken strickt. Oder der kleine Bruder, der jedes Geschenk mit einem Sticker verpackt. Daneben steht der gutverdienende Onkel, der jedem die neuesten Adidas-Sneaker und dazu passend einen Trainingsanzug (ja, auch der Oma) vor die Nase stellt. Dann gibt es da noch diejenigen, die weniger gut darin sind, materielle Dinge zu besorgen und lieber einen schönen Text schreiben oder ein Video schneiden. Gerade die Vielfalt an verschiedenen Weisen zu schenken macht das Ganze ja so aufregend. Es wäre ja schade, wenn plötzlich jeder seine Geschenke mit Stickern verpacken würde. Obwohl, schon auch süß.

Berücksichtigst du diese Dinge, die schon einmal ein wenig Druck aus der ganzen Sache nehmen sollten, kann doch eigentlich gar nicht mehr so viel schief gehen. Denn wenn du nicht versuchst dich zu verstellen und das schenkst, was dir entspricht, du dir leisten kannst und was dir selbst Freude bereitet, sollte die Besorgung, Zubereitung und Gestaltung des Geschenks doch nur noch halb so schwer sein. Nun sollte man sich aber natürlich noch Gedanken um jeden einzelnen zu Beschenkenden machen. Wie bereits zuvor erwähnt, kommt es aufgrund des ganz plötzlich vor der Tür stehenden Weihnachtsfestes und dem damit verbundenen Geschenkestress häufig dazu, dass man sich gedanklich nicht von einem zu beschenkenden Menschen zum nächsten hangelt, sondern völlig aufgeregt alle Personen und Geschenkmöglichkeiten kreuz und quer durcheinander denkt, und am Ende gar nichts mehr weiß. Diesbezüglich erachte ich es als hilfreich sich auf eine Person nach der anderen zu konzentrieren und dabei folgende Dinge zu beachten:

Erinnere dich daran, warum du schenkst

Versuche dir einen der zu beschenkenden Menschen ins Gedächtnis zu rufen und dich zu fragen, warum du diese Person überhaupt beschenken möchtest. Schenke ich nur, weil man das eben so macht, weil es sich um ein Familienmitglied handelt, oder habe ich eventuell weitere Beweggründe zu schenken, über die ich einfach nie wirklich nachdenke? Bist du dankbar für etwas, was die Person getan hat oder einfach nur froh, diese um dich zu haben? Eventuell fällt dir das Schenken ein wenig leichter, wenn du dir bei jeder einzelnen Person ins Gedächtnis rufst, was dich dazu animiert, zu schenken. Denn wichtig ist es, sich immer wieder daran zu erinnern, dass Schenken schön ist und es eben nicht nur passieren sollte, weil nun gerade Weihnachten ist und Schenken seit geraumer Zeit für unsere Kultur zu diesem Fest dazugehört. Wenn man sich nur von der ganzen Thematik stressen lässt, vergeht die ganze Freude am Schenken verloren und dass will ja nun wirklich keiner. Versuch dich lieber an das freudige Gesicht deiner Oma zu erinnern, wenn du ihr zu dem neuen Trainingsanzug deines Onkels noch die passenden Socken und ein gemeinsames Frühstück schenkst. Na also, geht doch!

Berücksichtige die Persönlichkeit und die Vorlieben des zu beschenkenden Menschen

Nun sind wir schon ein großes Stück weiter. Man hat sich Gedanken über seine eigene Persönlichkeit, seine Stärken und dementsprechend auch seine ganz persönliche Art zu Schenken gemacht und auch hinterfragt, warum man einem Menschen eigentlich etwas Gutes tun möchte. Nun ist es natürlich noch ganz wichtig sich zu fragen, welche Vorlieben die zu beschenkende Person eigentlich hat, was diese gern in ihrer Freizeit macht, oder was deren Eigenschaften sind. Denn klar, die eigene Persönlichkeit sollte zwar auch in dem jeweiligen Geschenk stecken, aber ein wenig sollte es ja auch um die zu beschenkende Person gehen. Also denke darüber nach, welche Interessen der jeweilige Mensch hat. Dein Vater liebt es, neben seinem stressigen Bürojob am Wochenende ein wenig den Garten auf Vordermann zu bringen? Dann mach doch mal einen kleinen Ausflug in die Gartenabteilung eines Baumarktes, oder hilf ihm einfach mal einen Tag lang dabei und trink zwei, drei Bier mit ihm. Deine Schwester kauft momentan jegliches Bekleidungsgeschäft leer und hat trotzdem nichts zum Anziehen? Vielleicht wäre da ein weiteres Kleidungsstück von absoluter Notwendigkeit unter dem Weihnachtsbaum – oder auch nicht. Frage dich dabei auch, was dich dazu bewegt, genau das zu schenken. Verbringst du gerade extrem wenig Zeit mit deinem Vater und es wäre vielleicht schöner ihm den gemeinsamen Tag, anstatt eines weiteren Gartengerätes, zu schenken? Ist deine Schwester eventuell gerade krass im Stress und es wäre daher sinnvoller, ihr vielleicht doch einfach den begehrten Pulli zu schenken, anstatt einen gemeinsamen Abend im Theater zu planen?

 

Vereine die genannten Aspekte

So, um noch einmal zusammenzufassen: Bedenke deine persönliche Preisgrenze, deine Fähigkeiten und deine eigene Art zu schenken. Erinnere dich daran, warum du schenkst und daran, dass das ganze Prozedere nicht nur reiner Stress ist, sondern auch wirklich Freude bereiten kann. Mache dir in Ruhe Gedanken – um jeden Einzelnen, den es zu beschenken gilt. Und ganz wichtig: Lege dir am besten sofort die im Punkt 1 beschriebene Erinnerungsliste an und konzentriere dich so ganzjährig auf die Personen und deren Vorlieben, die es am Ende des Jahres zu beschenken gilt – versuch dich einfach nicht allzu sehr zu stressen. Ist ja schließlich Weihnachten.

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